Der Wolf in Sachsen

BUND – Wolfsposition

18. Dezember 2018

Der Wolf in Sachsen

BUND – Wolfsposition

18. Dezember 2018

Der Wolf in Deutschland: Aus Angst muss Respekt werden

Bis zu seiner Ausrottung durch den Menschen um 1850 war der Wolf in Sachsen heimisch. Über viele Jahrzehnte wurde jeglicher Versuch einer Wiederkehr durch den Menschen verhindert, und das Wissen um ein Leben in Anwesenheit des Wolfs ging verloren. Erst nachdem der Wolf international (Washingtoner Artenschutzabkommen [1975], Berner Konvention [1979], FFH-Richtlinie [1992]) und ab 1990 national (BNatSchG, BArtSchVO) unter strengen Schutz gestellt wurde, kehrte er ab dem Jahr 2000 – von Polen ausgehend und in Sachsen beginnend – in seine alte Heimat zurück. Hierzu haben auch die insbesondere durch die derzeitige Form der Landwirtschaft und eine teilweise unsachgerechte Hege verursachten steigenden Schalenwildbestände beitragen. Seither wandert der Wolf in geeignete Lebensräume ein und besetzt wieder die ihm zustehende Rolle als Spitzenprädator. In waldreichen, dünn besiedelten Regionen kann er dabei eine wichtige Funktion bei der natürlichen Regulation von Wildpopulationen, z.B. beim Schwarzwild, ausüben und wirkt somit ausgleichend im Naturhaushalt.

Der Prozess der Wiederbesiedlung vollzieht sich in menschlichen Maßstäben sehr zügig. Die Entwicklung zeigt die hohe Anpassungsfähigkeit der Tierart an die aktuellen Lebensbedingungen in unserer Landschaft. Die Rückkehr des Wolfes wird laut einer FORSA-Umfrage aus dem Jahr 2015 von 80 % der Bevölkerung positiv bewertet.² In weiten Teilen der Gesellschaft herrscht Konsens, dass der Wolf eine Bereicherung unserer heimischen Fauna ist. In der kurzen Zeitspanne seit seiner Wiederkehr war jedoch kaum Gelegenheit, hierzulande fundierte Erfahrungen im praktischen Umgang mit dem Raubtier Wolf zu sammeln und so eine Selbstverständlichkeit darin zu entwickeln – weder bei der Haltung von Nutztieren wie Schafen, Ziegen, Pferden und Rindern, noch im Hinblick auf die ökologischen Funktionen des Wolfes im Naturhaushalt. Auch ein Nebeneinander von Jäger*innen und Wolf ist in weiten Teilen der Jägerschaft nach wie vor nicht vorstellbar.

Während die einen vom Wolf fasziniert sind und Vorteile für das Ökosystem sehen, beschwören andere Schreckensszenarien und versuchen, Ängste zu schüren. Dritte, deren Tiere verletzt oder getötet werden, sind in erster Linie betroffen und fordern den Schutz ihres Eigentums ein. All diese Reaktionen sind menschlich und nachvollziehbar. Aktuell wird also hart um die Anerkennung des Wolfes als heimisches Tier in unserer Kulturlandschaft gerungen.

Der BUND Sachsen wirbt deshalb für Respekt für den Wolf, der als heimisches Tier in unsere Landschaft zurückkehrt. Probleme mit Wölfen entstehen erst, wenn dem Raubtier nicht die notwendige Achtung entgegengebracht wird, die es verdient.

Der BUND Sachsen spricht sich dafür aus, dass dem Wolf mit mehr Aufmerksamkeit und weniger Sensationslust begegnet wird und er so zu einem normalen, akzeptierten Wildtier Deutschlands werden kann. Erst wenn durch Normalität aus Angst wieder Respekt geworden ist, kann unsere Gesellschaft sachlich und erfolgreich mit dem Wolf umgehen.

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